Zeitschrift für Japanisches Recht
Nr. 11 / 6. Jahrgang 2001

Rezensionen

Junko Andô, Die Entstehung der Meiji-Verfassung,

Band 27 der Monographien aus dem Deutschen Institut für Japan-Studien der Philipp Franz von Siebold Stiftung. Iudicium-Verlag (München 2000). 223 S. und Anhang (48 S.), DM 55,-

 

Als Dissertation (Universität Düsseldorf) trug die Arbeit den Titel "Über die Entstehungsgeschichte der Meiji-Verfassung", der Gegenstand eines Referats der Autorin im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin zu diesem Thema war der Einfluß Preußen-Deutschlands auf die Meiji-Verfassung, und in einem in Vorbereitung befindlichen Sammelband "Japan und Preußen" soll der Beitrag der Autorin "Japan und die preußische Verfassung" heißen. Der Titel der Dissertation "Über die ..." und die weiter genannten Texte weisen darauf, daß der auf dem Buchdeckel stehende Name der hier vorzustellenden Abhandlung mehr erwarten läßt, als sich im erweiterten Innentitel "Zur Rolle des deutschen Konstitutionalismus im modernen japanischen Staatswesen" und im Inhalt findet. Es geht nicht um eine Darstellung des Weges zu der Verfassung von 1889 mit allen Aspekten und Details, sondern im wesentlichen um Einflüsse der deutschen Juristen Rudolf von Gneist und Lorenz von Stein sowie vor Ort Hermann Roesler und Albert Mosse. Auf den Gedanken und Vorschlägen der beiden Letztgenannten liegt das Schwergewicht.

Einleitend (S. 13-20) führt die Autorin aus, daß ihre Arbeit sich mit einem "bisher in der Forschung vernachlässigten Aspekt der Meiji-Verfassung, nämlich der Rezeption und der Assimilation der deutschen Einflüsse bei ihrer Gestaltung und bei der späteren Auslegung der Verfassung im Zusammenhang mit der einheimischen Rezeptionsgrundlage" befaßt. Sie macht den Leser mit Veröffentlichungen bekannt, die in japanischer, englischer und deutscher Sprache vorwiegend erst nach dem 2. Weltkrieg zu dem Thema erschienen bzw. als Quellen von der Forschung genutzt worden sind.

Der 1. Teil der Untersuchung handelt von der Rezeption des westlichen Verfassungsrechtsdenkens in Japan (S. 21-57). Eine bündige Beschreibung der entscheidenden Begebenheiten in den rund zwei Jahrzehnten vor der Meiji-Restauration führt in den historischen Hintergrund der Erneuerung ein: wirtschaftliche Krisen, Unruhen in der Bevölkerung, Scheitern der Reformversuche der Shogunatsregierung, Aufweichung der Abschließungspolitik, Streit um die Handelsverträge mit dem Ausland ("Ungleiche Vertrage" genannt, weil sie die fremden Vertragspartner gegenüber Japan bevorrechtigten) und das Verfahren bei ihrem Abschluß, schleichender Verfall der Autorität des Shôgun, Anti-Shogunats-Aktivitäten mächtiger Territorialfürsten. Neben innenpolitischen Schwierigkeiten wurde der Druck der fremden Staaten auf die Öffnung des Landes und die Aufnahme von Handelsbeziehungen zum Hauptantrieb für Reformen, die nach dem Übergang der Regierungsgewalt auf den Tennô Ende 1867 in Angriff genommen wurden.