Zeitschrift für Japanisches Recht
Nr. 11 / 6. Jahrgang 2001

Berichte

Konferenz an der University of Michigan Law School:
“Change, Continuity, and Context: Japanese Law in the
Twenty-First Century”

 

Am 6. und 7. April 2001 richtete die Law School der University of Michigan, Ann Arbor, in ihren Räumlichkeiten eine Konferenz aus zum Thema “Change, Continuity, and Context: Japanese Law in the Twenty-First Century”. Die Konferenz, wohl die größte ihrer Art bislang außerhalb Japans, versammelte als Vortragende, Kommentatoren und Diskutanten praktisch alle US-amerikanischen Experten auf dem Gebiet des japanischen Rechts sowie namhafte japanische Gäste. Schmerzlich vermißt wurde allein Dan Fenno Henderson, der kurz zuvor verstorben war.

Die Fülle der Teilnehmer und die interdisziplinäre Ausrichtung des Programms gaben der Veranstaltung den Charakter einer state of the art show. Die thematische Vielfalt war zumal aus deutscher Sicht beeindruckend. Sie reichte von wenigen klassisch-rechtsvergleichenden Beiträgen über solche aus den Bereichen law and society, law and economics und gender studies bis hin zu einem Bericht aus der Praxis des universitären Unterrichts.

Nach der Begrüßung durch den Program Director Mark D. West (University of Michigan) sprach zunächst John O. Haley (Washington University in St. Louis) zu Kontinuität und Wandel im japanischen Recht. Er vertrat die Ansicht, daß trotz der vielfältigen Änderungen in den letzten Jahren zumindest im Hinblick auf zwei zentrale Charakteristika des japanischen Rechts nicht von einem grundlegenden Wandel gesprochen werden könne. Zum einen spiele im japanischen Recht weiterhin die formale Durchsetzung von Rechtsnormen eine vergleichsweise geringe Rolle. Zum anderen sei die Einstellungspraxis japanischer Unternehmen und Institutionen weiterhin dadurch gekennzeichnet, daß eine zentrale Personalabteilung praktisch nur Berufsanfänger rekrutiere.

Der nächste Teil war dem Vertragsrecht gewidmet. Noboru Kashiwagi (Tokyo University) stellte die wenig einheitliche Rechtsprechung der japanischen Gerichte zur Beendigung von Vertriebsverträgen dar und mahnte eine gesetzliche Neuregelung an.  Michael K. Young (George Washington School of Law) setzte sich kritisch mit der bekannten These Takeyoshi Kawashimas vom schwachen Rechtsbewußtsein (hô-ishiki) der Japaner auseinander. Dabei präsentierte er die vorläufigen Ergebnisse einer Umfrage, die zweifelhaft erscheinen läßt, ob die Herangehensweise japanischer Juristen und Geschäftsleute an einen fiktiven vertragsrechtlichen Fall so viel weniger legalistisch geprägt ist als die ihrer amerikanischen Kollegen.

Der Nachmittag des ersten Tages wurde eingeleitet von Ronald J. Mann (University of Michigan), der - anknüpfend an eine Studie für die Bank of Japan - der Frage nachging, warum der Gebrauch von Kredit- und ec-Karten in Japan bislang wenig verbreitet ist. In der Diskussion im Anschluß wurde besonders heftig darüber gestritten, welche Bedeutung in diesem Zusammenhang kulturellen Faktoren bei der Erklärung der