Bert Becker (Hg.), Georg Michaelis. Ein preußischer Jurist
im Japan
der Meiji-Zeit. Briefe, Tagebuchnotizen, Dokumente
1885-1889 *
Eine Publikation der OAG Deutsche Gesellschaft für Natur- und
Völkerkunde Ostasiens Tôkyô. Iudicium-Verlag (München 2001)
678 S. geb., DM 58,-, SFr. 52,50; ISBN 3-89129-650-9;
Wie viele andere deutsche Berater und Lehrer, die in der Meiji-Zeit in Japan tätig waren, wäre Georg Michaelis in Deutschland
weitgehend unbekannt geblieben, hätte er nicht im Jahre 1917, wenn auch nur für
fünfzehn Wochen, als Reichskanzler amtiert. In seinen jungen Jahren verbrachte
er als Rechtslehrer an der Doitsugaku
Kyôkai Gakkô fast vier Jahre in Japan (1885-1889). Michaelis’ Anstellung an dieser von einem japanischen Verein für
Deutsche Wissenschaften (Doitsugaku
Kyôkai) getragenen Anstalt für höhere Bildung fiel in eine Zeit, als nach
der Entscheidung für die preußische Verfassung als Vorbild für die spätere Meiji-Verfassung die deutschen Einflüsse
in Japan zunahmen. Später soll Michaelis
seinen Enkeln erzählt haben, daß diese Jahre die entscheidende Vorbereitung für
seine berufliche Karriere gewesen seien. Seine zum größten Teil an seine Mutter
gerichteten Briefe, Tagebuchnotizen und Dokumente aus dieser Zeit hat Bert
Becker herausgegeben.
In diesen Dokumenten schildert Michaelis sehr lebendig und ausführlich
seine Eindrücke von Japan und den Japanern. Auch berichtet er über sein
Privatleben und seine Tätigkeit an der Doitsugaku
Kyôkai Gakkô, über die kleine deutsche Kolonie in Tokyo und Yokohama sowie
über seine Engagements sowohl in der deutschen protestantischen Gemeinde als
auch in der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG).
Bezüglich der Doitsugaku Kyôkai Gakkô,
ihrer Lehrer und deren Umgang mit japanischen Schülern trotz sprachlichen
Schwierigkeiten bieten seine Briefe Informationen aus erster Hand. Im
Sommersemester 1887 zum wissenschaftlichen Leiter ernannt, trägt Michaelis wesentlich zur Anerkennung der
deutschen Rechtsausbildung in Japan bei, so daß ab 1888 die Absolventen der
Schule nicht nur im Justizministerium Anstellung finden, sondern auch ohne
weitere Prüfungen als Richter berufen werden.
In seinen Briefen zeigt sich Michaelis jedoch als selbstbewußter Vertreter des deutschen
Bildungsbürgertums. Konservativ und preußisch-nationalistisch eingestellt, ist
er überzeugt von der deutschen Überlegenheit. Was Japan und Japaner anbelangt,
spart er nicht an spöttisch-herablassenden Bemerkungen über dieses
nicht-christliche, (deshalb) unzivilisierte Volk. Dieses Land werde, so Michaelis, niemals eine große Rolle in
Asien spielen. Darüber hinaus offenbaren seine zahlreichen unschönen
Bemerkungen über die