Zeitschrift für Japanisches RechtABHANDLUNGEN Keiretsu: Anmerkungen zu der Bedeutung der Unternehmensgruppierungen im japanischen Wirtschaftssystem Peter Rodatz Inhaltsübersicht: I. Einleitung Ein erheblicher Teil des japanischen Bruttosozialproduktes wird in Unternehmensgruppen erarbeitet. Die Kenntnis der Strukturen dieser Gruppen ist nicht nur für ein Tätigwerden auf dem japanischen Markt von großer Bedeutung, sondern auch dann, wenn man mit japanischen Konkurrenten zu tun hat. Die Kenntnis der Struktur der Gruppe könnte auch zum Anlaß genommen werden, die eigene Organisation zu überprüfen. Das heißt nicht zwangsläufig, daß man einfach japanische Strukturen übernehmen soll. Ähnlichkeiten mit manchen deutschen Strukturen könnten es aber erleichtern, einzelne Elemente aus dem japanischen System zu übernehmen. Wegen ihrer herausragenden Stellung in der japanischen Wirtschaft sollen die japanischen Unternehmensgruppen deshalb hier unter rechtlichen Gesichtspunkten analysiert werden. Der Zusammenschluß von Einzelunternehmen zu Unternehmensgruppierungen wirft eine Reihe rechtlicher Fragen auf: berührt werden beispielsweise die Geschäftsführungen der Einzelunternehmen. Probleme entstehen auch beim Gläubiger- und Minderheitenschutz, die ich hier nicht weiter erörtern will. Ebenso sind die Auswirkungen von Unternehmenskonzentration auf den Wettbewerb zu berücksichtigen. Betroffen könnten insbesondere ausländische Unternehmen bei ihrem Eintritt in den japanischen Markt sein1. II. Zaibatsu Unternehmensgruppierungen hat es in Japan schon seit mehr als einem Jahrhundert gegeben. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren das die zaibatsu2, heute sind es die keiretsu. Die zaibatsu gibt es nicht mehr - sie hatten den Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Macht vor dem Krieg, der für Japan mit dem Einmarsch in China 1937 begann. Die Zerschlagung der zaibatsu durch die amerikanischen Besatzungsmächte, in deren Augen die zaibatsu für den japanischen Imperialismus neben dem Militär mitverantwortlich waren, bildete nur den Schlußstrich in ihrem Auflösungsprozeß. Ihre charakteristische Struktur haben die zaibatsu während der Meiji-Zeit (1868-1912) erhalten. Sie ließen sich im wesentlichen in zwei Gruppen unterteilen. Der einen Gruppe war es gelungen, unter Ausnutzung ihrer engen Kontakte zur Regierung eine Monopolstellung im
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