Zeitschrift
für Japanisches Recht
2. Jahrgang 1997 - Heft Nr.4
Abhandlungen
Themenschwerpunkt:
Reform des japanischen Finanzmarktrechtes
Zur Einführung:
Struktureller
Wandel der Finanzmärkte und regulatorische
Herausforderungen: Deutschland und Japan
Harald Baum
Dem
nachfolgenden Themenschwerpunkt "Reform des
japanischen Finanzmarktrechtes" seien zur Einleitung
einige kurze rechtsvergleichende Beobachtungen mit Blick
auf die aktuelle deutsche Reformdiskussion
vorangestellt.Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei
die Entwickung an den Kapitalmärkten.
I.
Wandel an den internationalen Kapitalmärkten
An den
internationalen Kapitalmärkten ist derzeit ein
tiefgreifender Wandel zu beobachten. Die geänderten
Rahmenbedingungen der Märkte lassen sich knapp wie folgt
skizzieren: Als erstes ist eine stetig wachsende Institutionalisierung
der Märkte und Marktteilnehmer zu nennen. Hohe
Transaktionskosten und die Schwierigkeiten privater
Investoren, umsetzbare Informationsvorsprünge im
Kapitalmarkt zu erlangen, haben diese zu einem Wechsel in
ihrem Anlageverhalten weg von individuellen Portefeuilles
und hin zu diversifizierten Portefeuilles in Form
intermediatisierter Anlagen wie Investmentfonds,
Pensionsfonds und Hedge Fonds geführt. Diese in vielen
Industriestaaten festzustellende Konzentration der
Geldvermögensanlagen bei institutionellen Anlegern
begünstigt den Einsatz moderner Anlagestrategien und
bewirkt eine Professionalisierung des Anlageverhaltens.
Diese professionellen Akteure sind aufgrund ihrer
erfolgsorientierten Bewertung und Entlohnung in
besonderem Maß gegenüber den Transaktionskosten des
Wertpapierhandels sensibilisiert.
Die rasch
wachsende Institutionalisierung der Märkte und
Marktteilnehmer verbindet sich zugleich mit einer immer
stärkeren Globalisierung der Mittelanlage und
Mittelaufnahme, denn institutionelle Investoren, die ein
optimales Niveau an Risikodiversifikation und
Chancenausnutzung realisieren wollen, müssen global
investieren. Die zunehmende Institutionalisierung der
Anlagepolitik bewirkt deshalb auch zugleich ihre
Globalisierung. Dieser Trend wird durch den wachsenden
Einsatz neuer und immer leistungsfähigerer Informations-
und Kommunikationstechnologien ermöglicht. Die Technologisierung
des Handels führt zu einer beschleunigten
Reaktionsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer und bietet
verbesserte Möglichkeiten der Regulierungsarbitrage. Die
Folge ist ein verstärkter Regulierungswettbewerb
zwischen den nationalen bzw. supranationalen
Kapitalmärkten, dem der Gesetzgeber Rechnung tragen
muß.
Durch die
Globalisierung und Enträumlichung von Marktbeziehungen
mit Hilfe der Informationstechnologie werden ehemalige
Standortvorteile entwertet. Im Bereich der
Börsendienstleistungen sorgen Computerbörsen zusammen
mit alternativen Handelssystemen (proprietären
Transaktionssystemen) als neuen Wettbewerbern für eine
erhebliche Intensivierung des Börsenwettbewerbs
auf nationaler und internationaler Ebene. Fondsmanager,
die unter einem ausgeprägten Kostendruck bei ihren
Transaktionen stehen, nutzen verstärkt solche Systeme,
bei denen sie ohne Intermediation von Brokern direkt und
meistens preiswerter als an den etablierten Börsen
handeln können. Etablierte Börsen sind damit nicht mehr
die natürlichen Zentren regionaler oder nationaler
Kapitalmärkte,

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