Zeitschrift für Japanisches Recht
Heft Nr.5 / 3. Jahrgang 1998

Ausgewählte Veröffentlichungen aus den Mitteilungen der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung der Jahre 1988-1995

Abhandlungen

Das organisierte Verbrechertum in Japan -
Schattenseite einer modernen Industriegesellschaft

Koichi Miyazawa

In einem Zeitungsartikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 10.10.1986, der über eine Handgranatenexplosion in dem "Airbus" der Fluggesellschaft Thai International berichtete, stehen kriminologisch sehr interessante Sätze, die das heutige Thema "Das organisierte Verbrechertum in Japan - Schattenseiten einer Industriegesellschaft" betreffen.

Ein Gangster hatte vergebens einen Waffeneinkaufstrip nach Manila unternommen; um wenigstens etwas für seinen Boß mitzubringen, hatte er eine Handgranate gekauft, und es war ihm gelungen, mit ihr in der Hosentasche in Manila durch die Flughafenkontrolle in die Maschine zu gelangen. Im Flugzeug bekam er jedoch plötzlich Angst, mit der Granate in der Tasche bei der Einreise in Osaka aufzufallen. Er ging deshalb in die Toilette und entfernte dort zunächst die Plastikfolie, in der sich die Granate befand. Dabei zog er aus Versehen an dem Abzugsring und war wegen der Bewegung in der Maschine nicht mehr in der Lage, ihn wieder aufzustecken. In panischer Angst floh er danach aus der Toilette im Flugzeug, ehe die Handgranate explodierte. Durch die Explosion wurden insgesamt 62 Menschen verletzt.

An dieser Dummheit eines Gangsters sind wir nicht interessiert, aber an der Tatsache, daß selbst dieser Mann aus der Unterwelt sich vor der strengen Kontrolle bei der Einreise in Osaka fürchtet, wo sich sein Büro, d. h. das Quartier einer Gang-Organisation, befindet. Das ist ein guter Beleg dafür, daß die Insellage Japans zur Drogen- bzw. Waffen-Schmuggel-Kontrolle außerordentlich nützlich ist.

Meiner Meinung nach sind die deutschen Leser, insbesondere Fachleute, die sich mit der Kriminaljustiz beschäftigen, von den Schilderungen im oben genannten Aufsatz schockiert. Ich zitiere: "Für Ausländer ist das japanische Verbrechenssystem (hier gemeint das organisierte Verbrechertum) etwas unverständlich. Die japanischen Behörden kennen nicht nur die Gesamtzahlen, sondern vor allem auch die Namen und die Adressen der meisten Verbrecher genau. Sie unternehmen traditionell aber so lange