Zeitschrift für Japanisches Recht
Heft Nr.8 / 4. Jahrgang 1999

Unternehmenskauf in Japan

Ludwig H. Bonacker*

Japan hat heutzutage keine gute Presse. In der Berichterstattung der westlichen Medien dominieren Themen wie Finanzkrise, Rezession, Deflation und Korruptionsskandale. Tatsächlich markiert der letztjährige Fall in eine voll entwickelte Rezession den Beginn einer wirklichen Veränderung in der japanischen Wirtschaft. Das Japan-Modell alten Stils scheint einer starken Zerreißprobe ausgesetzt. Weder Banken noch Firmen noch Angestellte scheinen bereit zu sein, Mittel auf der Basis von guten Verbindungen und Konsensus alleine zur Verfügung zu stellen. Preislicher Wettbewerb gewinnt noch stärker an Bedeutung. Mehr und mehr gewinnen effiziente Anbieter mit den günstigsten Preisen die Oberhand. Deregulierung und Globalisierung, die von uns Ausländern immer wieder propagiert und forciert werden, verändern die Szene dramatisch.

Dieser Übergang schmerzt. Wir registrieren einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen, einen Anstieg der Konkurse und eine Durchlöcherung der Preisgestaltungsmacht der Konglomerate.

Dies ist eine echte Veränderung. Sie wird durch Kräfte am Markt bewegt, die diesmal über den momentanen Konjunkturzyklus hinausreichen. Die extrem niedrige Kapitalverzinsung ist ohne Beispiel. Umstrukturierungen sind zur unausweichlichen Realität geworden.

Die Veränderungen werden diesmal nicht von den Bürokraten gesteuert – sie haben größtenteils die Kontrolle über die Wirtschaft, sofern sie jemals bestand, verloren – sondern sie unterliegen der Einschätzung der Märkte und dem Urteil über die Unternehmen und ihre Leistungen. Im gleichen Maße wie sich der Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern vergrößert, erscheint die Hilflosigkeit der Bürokraten um so auffälliger. Ihre Aufgabe haben sie immer darin gesehen, unter den Kräften Chancengleichheit zu gewährleisten, was im heutigen globalen Umfeld und seiner Kultur des freien Wettbewerbs nur schwer unter einen Hut zu bringen ist.

Wir sollten uns durch die Schwierigkeiten des Umbruchs und durch die schlechte Stimmung bei einigen Finanzinstituten nicht die Aussicht in die Zukunft völlig verstellen lassen. Der Schlüssel zu einer umfassenden Betrachtung ist auf der Produktionsseite zu suchen. Dieser Aspekt ist in den meisten Abhandlungen bisher völlig in den Hintergrund getreten oder vergessen worden. Der japanische Produktionssektor läßt sich nicht so recht in das stereotype Bild von Japan als dem eines wankenden Wirtschaftsriesen einordnen. Die kontinuierlichen, großen Fortschritte der japanischen herstellenden Industrie und ihre Bemühungen, die Produktionstechnologien ständig zu verbessern und zu rationalisieren und somit auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu bleiben, werden dabei völlig übersehen.